Sein Tagebuch nannte Peter Rühmkorf »Tabu« – als ob er auch mein Leben auf den Punkt bringen wollte. Immer wieder wollte ich schreiben, musste es, unbedingt, konnte es aber nicht, schrieb, strich durch, schrieb neu, zerriss Papier, löschte Dateien, begann wieder von vorn, hatte keine Ahnung, warum das so war.

Nach fünf (!) Therapien lösten sich die Nebel im Kopf: Es lag an einem Tagebuch, das Zufluchtsort sein sollte, als das Kind gerade erst gelernt hatte, zu schreiben. Die Mutter fand das Tagebuch, verbrannte die beschriebenen Seiten, warf den Rest in den Müll. (Mehr dazu im Text »Verflucht«)

Es ist immer noch so: Ich muss in Worte fassen, worüber ich lange nicht reden durfte und konnte. Deshalb dieses Online-Tagebuch.

Die Bedeutung des Wassers, die sich durch die Texte zieht, geht auf ein noch früheres Erlebnis zurück: Hände legen sich um den Hals des Kindes, drücken zu, drücken den Kopf unter Wasser. Irgendwann später atmet der Mund wieder, und Hände wandern über den Körper. Wasser ist dennoch – wie auch immer das im Kopf passiert ist – der Urgrund geworden, Raum zum Abtauchen, zum Verschwinden.